Das erste Mal - mit dem Motorroller verreisen: Sieben Gründe, warum mit dem Roller reisen so Spaß macht

Ist es nicht für alle eine schöne Erinnerung: das erste Mal? Na na na, wo denken Sie denn hin? Ich meine natürlich mein erstes Mal, als ich mit dem Motorroller verreist bin.

Mit dem Roller reisen? Geht das denn?

Naja, ich gebe zu: Als ich diese Idee 2010 das erste Mal auf den Tisch brachte, wurde ich für komplett durchgeknallt erklärt. Denn ich spreche hier nicht von einem Motorroller mit 650 ccm. Ich rede von meiner kleinen, süßen „Reina“, ganze 110 ccm groß und mit nicht mal 10 PS maximal 80 km/h schnell.

Der Kauf

Reina und ich lernten uns 2008 auf Mallorca kennen. Damals lebten mein Mann und ich noch dort. Er hatte gerade sein Auto verkauft und wir wollten aber noch einen zweiten fahrbaren Untersatz. Bei dem schönen Wetter auf Mallorca und den engen Gassen bot sich ein Motorrad an. Für längere Strecken hätten wir ja immer noch mein Auto.

Bei einem großen Händler nahe unseres Wohnortes Capdepera schauten wir uns verschiedene Modelle an. Es gab nur ein gewichtiges Problem: Ich war zu klein. Egal, welches Motorrad ich bestieg, meine Beine reichten nicht auf den Boden. Und mein Mann wollte auf keinen Fall einen Chopper. Er hatte eher auf eine Enduro spekuliert.

Für mich ging aber Sicherheit vor. Ich hatte meinen Motorradführerschein zwar schon vor einigen Jahren gemacht, aber praktisch keine Fahrpraxis gesammelt. Die meiste Zeit saß ich als Sozia bei meinem Mann hinten drauf. Er hatte seine Reiseenduro allerdings vor unserem Umzug nach Mallorca verkauft. Jedenfalls war ich so von Natur aus schon unsicher. Dass ich den Boden nur mit Fußspitzen und Langmachen erreichen konnte, machte die Situation nicht besser.

Schließlich hatte der Verkäufer die Idee, dass wir uns doch mal bei den Rollern umschauen sollten. 50 ccm mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h schlossen wir sofort aus, das war uns zu poplig. Also schauten wir uns die Modelle mit 125 ccm an. Blöderweise tauchte wieder das gleiche Problem wie bei den Motorrädern auf: Meine Füße schwebten in der Luft.

Der Verkäufer hatte wirklich Geduld. Er überlegte und strich durch den Ausstellungsraum, da musste es doch irgendeine Lösung geben. Plötzlich hatte er den zündenden Gedanken: Vor der Tür stand noch ein Roller, gerade reingekommen, nicht mal ein halbes Jahr alt, kaum gelaufen und, was das Entscheidende war, mit nur 110 ccm. Dadurch war er etwas schmäler als seine potenzstärkeren Kollegen. Und tatsächlich machten es die wenigen Zentimeter aus, ich konnte meine Füße auf dem Boden abstellen.

Wir waren echt froh, mein Mann konnte mit dem Kleinen auch leben. Sollten die 80 km/h Höchstgeschwindigkeit auf Dauer zu wenig sein, könnten wir ja über ein Tuning nachdenken. Das würde allerdings mehr Benzinverbrauch mit sich bringen.

Und einen riesen Vorteil hatte dieser Roller auch noch: sein Stauraum. So viel Stauraum habe ich nie zuvor und auch nie wieder gesehen. Die Sitzbank konnte eine Reisetasche schlucken und hinten fand noch ein Topcase Platz. Unter dem Lenker versteckte sich zudem ein Dokumentenfach und der Haken davor war auch sehr praktisch, wenn man mal eine Einkaufstüte transportieren wollte.

Die Idee

2010 schlug die Krise auch im Tourismus auf Mallorca zu. Mein Mann und ich waren mittlerweile beide Angestellte in dieser Branche. Die Aussichten ließen nicht erwarten, dass wir weiterhin unseren Lebensunterhalt mit den Verdiensten bestreiten könnten. Der Arbeitgeber meines Mannes bot ihm gerade noch einen vier- bis fünfmonatigen Vertrag an. Also beschlossen wir die Rückkehr nach Deutschland.

Ein Umzugsunternehmen für unsere Einrichtung war schnell gefunden, die Kisten waren bald gepackt. Doch da gab es noch einen kleinen, roten Roller, der nicht auf Mallorca bleiben sollte. Und kein Umzugsunternehmen wollte ihn mitnehmen, zumindest nicht ohne aufwändiges Benzin- und Ölabpumpen, Reinigen usw. Dazu kamen noch die horrenden Preisvorstellungen der Firmen für den Transport. Dafür hätten wir uns einen neuen Roller in Deutschland kaufen können.

Eines Tages platzte ich schier vor Wut und meinte: „Dann fahr‘ ich eben mit dem Roller nach Deutschland!“ Niemand nahm mich ernst, denn das klang wirklich verrückt. Aber für so verrückt hielt ich die Idee mit der Zeit nicht mehr. Der Gedanke reifte langsam in meinem Kopf und ich fand ihn immer besser.

Die Umsetzung

Meine Umwelt hielt mich natürlich für vollkommen bescheuert, aber meine Entscheidung war gefallen: Ich würde mit dem Roller von Mallorca nach Deutschland fahren. Nach entsprechenden Planungen setzte ich das Projekt in die Tat um. Die komplette Beschreibung würde diesen Artikel spengen. Wie es mir also ergangen ist und was ich erlebt habe, können Sie im meinem Buch „Das pack‘ ich!“ nachlesen.

Ein Umstand war dabei sehr lustig, zumindest für mich: Ich war am Ende schneller zu Hause als mein Mann. Genau in dieser Woche brach nämlich der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island aus und legte den Flugverkehr in ganz Europa lahm.

Seit dieser Reise heißt mein Roller „Reina“. Reina ist Spanisch und bedeutet „Königin“. Ich war so stolz auf meine Kleine, dass ich sie schon während der Reise für eine Königin hielt.

Das Warum

Warum sollte man mit einem Motorroller verreisen? Für mich gibt es einige wesentliche Gründe:

 

1. Der Benzinverbrauch

2,3 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer verbraucht Reina auf Reisen. Wenn Sie nicht gerade ein Elektro-, Hybrid- oder Solarauto fahren, dann sind Sie nur zu Fuß günstiger unterwegs. Superbenzin macht mich zudem unabhängig, denn das gibt es überall. Mit 200 Kilometer durchschnittlicher Reichweite bin ich außerdem immer auf der sicheren Seite, was die Versorgung angeht.

 

2. Die Nebenkosten

Roller und Motorräder haben sehr oft den Vorteil, dass sie an Mautstellen geringere oder gar keine Gebühren zahlen. Außerdem bekommt man mit ihnen immer einen Parkplatz, häufig auch ohne zusätzliche Kosten. Das macht sich ebenfalls in der Reisekasse bemerkbar.

 

3. Die Langsamkeit

Diesen Aspekt kann man jetzt sehen, wie man möchte. Reina fährt maximal 80 km/h, was sich bisher als ausreichend herausgestellt hat. Gegenüber einem Auto mag das langsam klingen und für Langstrecken auf der Autobahn gebe ich Ihnen da auch Recht. Auf Landstraßen und in der Stadt würde ich es aber jederzeit auf einen Wettkampf ankommen lassen. Denn mit Reina bin ich viel wendiger und agiler als ein Auto. Ich kann an Staus vorbeiziehen, ich fahre schneller an, ich komme flotter um Kurven und ich sehe viel mehr. Ist es also wirklich Langsamkeit? Oder ist es eher ein Luxus, fern ab von der Hektik der Autobahnen unterwegs zu sein und so Land und Leute näherzukommen?

 

4. Die Naturverbundenheit

Mit Reina komme ich der Natur sehr nahe. Wenn ich durch ländliche Gegend fahre, begleitet mich die gute Landluft. Am Meer atme ich die salzhaltige Luft ein. Im Wald duften die Tannen und das Harz der Bäume. Ich höre den Hund bellen, die Kuh muhen, den Falken schreien oder das Bächlein plätschern. Ich bekomme den Regen direkt ab, der Nebel setzt sich auf meinem Visier fest, der Wind zerrt an uns und die Sonne wärmt durch die Motorradkleidung. Ein Hund springt auf mich zu, Menschen winken mir, die Katze läuft mir über den Weg und das Pferd lässt sich auf der Koppel direkt vom Roller aus streicheln. Wie viel näher kann man der Natur sein?

 

5. Die Konzentration auf das Wesentliche

Wie gesagt, Reina hat einen unglaublichen Stauraum für ihre Größe. Gepäck für zehn Tage bekomme ich darin locker unter. Allerdings muss ich mich auf die wichtigsten Reiseutensilien beschränken. Beim Packen oder wenn ich vor einem Souvenir stehe, frage ich mich daher immer wieder: „Brauche ich das wirklich?“ Durch meine zwei großen Reisen mit Reina konnte ich diese Einstellung teilweise auch mit in den Alltag nehmen. Es lebt sich so viel leichter, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes nicht so

viel Ballast mit sich herumschleppt.

 

6. Die Freiheit

Mit Reina fühle ich mich unendlich frei. Ich bin allein unterwegs, kann tun und lassen, was ich will. Weil ich die Hauptverkehrsstraßen meide, entdecke ich unglaublich schöne Gegenden, die ich ansonsten ungesehen passieren würde. Weil ich mich einschränken muss, fühle ich mich freier, denn ich muss nicht ständig Angst um mein Hab und Gut haben. Weil ich in der freien Natur bin, kann ich wunderbar abschalten. Weil ich ein Abenteuer erlebe, bin ich wahnsinnig glücklich.

 

7. Die Besonderheit

Ok, ich gebe es zu: Es ist natürlich etwas Besonderes, mit dem Motorroller zu reisen. Und man wird deshalb auch immer wieder darauf angesprochen. Ich bin bestimmt nicht narzisstisch veranlagt, eher das Gegenteil. Dennoch macht es mir Spaß, mit Leuten auf diese Weise ins Gespräch zu kommen und bewundernde Blicke zu ernten. Zudem kann man wahrsinnig stolz auf sich selbst sein, wenn man eine solche Reise hinter sich gebracht hat. Denn ich sehe es als eines der letzten Abenteuer!

Die Zukunft

Mir war schon nach Mallorca klar, dass es nicht unsere letzte gemeinsame Reise gewesen sein würde. Es sollte allerdings vier Jahre dauern, bis Reina und ich wieder für eine große Reise in See stachen. Reina war wirklich ideal zum Verreisen. Als sich dann in meinem Lebenslauf erneut die Gelegenheit bot, eine längere Reise einzuplanen, führte uns unser zweites Abenteuer ans Nordkap.

Aber das ist eine weitere, lange Geschichte, die ich demnächst ebenfalls als Buch veröffentliche. Wenn Sie über den Veröffentlichungstermin benachrichtigt werden wollen, melden Sie sich einfach für meinen kostenlosen Newsletter an.

Plane ich noch weitere Touren? Ja! Mir spuken schon einige Strecken innerhalb und außerhalb Europas im Kopf herum. Sollte es sich eines Tages ergeben, dass ich über die finanziellen Mittel und die Zeit dafür verfüge, werde ich Ihnen davon berichten. Sollten Sie dazu beisteuern wollen, dass ich mir diesen Traum erfüllen kann, finden Sie einen Spenden-Button auf meiner Seite. Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung!

Bonus

Wenn Sie mich auf Facebook liken, mir auf Twitter folgen oder sich für meinen kostenlosen Newsletter anmelden und mir zusätzlich eine kurze Nachricht mit dem Stichwort „Reinas Packliste“ über mein Kontaktformular schicken, sende ich Ihnen umgehend meine ultimative Packliste für das Reisen mit dem Motorroller zu.

 

Waren Sie schon mal mit dem Roller länger unterwegs? Ich würde mich über Ihren Erlebnisbericht sehr freuen!

Nachtrag

Dieser Artikel wurde im Februar 2016 teil der Blogparade "Mit leichtem Gepäck" von www.reiseum.de. Das Buch ist im Buchhandel unter Ich glaub', mich knutscht ein Elch! erhältlich. Viel Spaß beim Lesen!

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Kommentare: 8
  • #1

    Ralf (Freitag, 27 März 2015 08:14)

    Hallo Antje,

    schöne Rollertouren! Ich bin auch öfters damit auf größeren Reisen unterwegs. Hier einige meiner Reiseberichte >>> http://motorroller-info.de/html/reiseberichte.html

  • #2

    Joy Valley (Antje Kucher-Freudenthal) (Freitag, 27 März 2015 08:31)

    Hallo Ralf,
    Danke! Schöne Seite bei Dir! Die Roller auf den Bildern sehen aus, wie die großen Brüder meiner Reina. ;-)
    LG Joy (Antje)

  • #3

    Norbert (Freitag, 24 Juli 2015 17:17)

    Hallo Antje,
    schöne Berichte und ich liebe es Motorrollerreiseberichte zu lesen. Bin selber seit 10 Jahren ab und an mit dem Roller auf Tour. Schau Dich mal auf meiner Homepage um.
    www.fam-zude.de
    Grüße!
    Norbert

  • #4

    Joy Valley (Samstag, 08 August 2015 10:46)

    Hallo Norbert,

    Danke für den netten Kommentar. Deine Seite ist aber auch voll schöner Berichte zum Thema Reisen...und Tiere.

    LG Joy

  • #5

    Christian (Sonntag, 14 Februar 2016 14:13)

    Hallo Joy,
    über die Blogparade zum leichten Gepäck bin auf deinem Blog gelandet. Bei unserem Philippinenurlaub vor wenigen Wochen bin ich ebenfalls auf den Geschmack gekommen und wir haben uns oft einen Roller zum Erkunden der einzelnen Inseln gemietet. Eine Frage beschäftigt mich allerdings noch: Wie machst du das mit dem Sitzfleisch? Wir sind an einem Tag knappe 200 Kilometer gefahren und mussten doch hin und wieder eine Pause einlegen, weil unsere Hintern sehr schmerzten :-D
    Meinen Artikel zur Blogparade findest du übrigens unter:
    http://www.worldonabudget.de/das-leben-leichter-machen/

    Liebe Grüße
    Christian

  • #6

    Joy / Antje (Donnerstag, 18 Februar 2016 10:48)

    Hallo Christian,

    vielen Dank für die Nachricht und auch schöner Artikel deinerseits.
    Das mit dem Sitzfleisch geht eigentlich...Reina ist recht bequem. Und da ich ja immer mal wieder ein Stück laufe oder einen Erkundungstag einlege, geht das ganz gut.

    LG

    Joy Valley (Antje Freudenthal)

  • #7

    Claudia (Montag, 29 Februar 2016 21:39)

    Ein Freund ist schon mal mit seinem Roller aus dem Rheinland nach Italien gefahren, einfach mal so. Fand ich super cool. Als ich dann durch Südostasien mit dem Roller gecruist bin, tat mir aber schon nach zwei Stunden so dermaßen der *Arsch* (sorry) weh. Da ist mir die Lust auf eine längere Tour vergangen.
    Gibt es da irgendeinen Trick?
    Claudia

  • #8

    Joy Valley (Dienstag, 01 März 2016 10:02)

    Hallo Claudia,

    einen speziellen Trick habe ich dafür nicht. Wie gesagt, Reina ist recht bequem, daher habe ich jetzt auch kein großes Problem mit dem Sitzen bei ihr. Manchmal lupfe ich halt mal den Hintern bei der Fahrt, rutsche hin und her. Aber vor allem die Zwischenstopps zum etwas Anschauen oder Tanken kann man auch gut zum Regenerieren des Hintern verwenden. Laufen hilft mir eigentlich immer am besten.

    LG Joy